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Stand: 08.09.2016

Pressemitteilung

„Aufschlussreich, anregend und sehr klärend“

Besucher und Fachleute im Gespräch.Zeigten großes Interesse: Besucher kamen im Anschluss an die Vorträge noch mit Frank Kotterer, Referent für Gemeindecaritas im Caritas-Zentrum Landau (dritter von links) und Leiter Bruno Kühn vom Caritas-Zentrum Landau (rechts) ins Gespräch.

Wie groß der Informationsbedarf rund um die neue Pflegereform ist, zeigte auch die zweite, gut besuchte Veranstaltung des Caritas-Zentrums Landau -  nach dem Auftakt in Landau diesmal in Maikammer und erstmals in Kooperation mit den Pfarreien Maikammer und Edenkoben. Rund 30 Interessierte hatten sich am Donnerstag, 31. August,  im katholischen Pfarrheim zum Thema "Die Pflege von Angehörigen: "Beraten - Bewältigen - Begleiten" eingefunden und viel von den Referaten, Diskussionen und Hilfsangeboten mitgenommen.  

Veranstaltungen wie diese hätten bisher gefehlt, befanden Besucher während des Infoabends zur neuen Pflegeordnung. Ute Wilhelm vom Pflegestützpunkt der Sozialstation Edenkoben-Herxheim- Offenbach informierte über die Funktion von Pflegestützpunkten, das neue Pflegestärkungsgesetz (PSG), seine Auswirkungen und finanziellen Grundlagen. Frank Kotterer, Referent für Gemeindecaritas im Caritas-Zentrum Landau, beleuchtete die psychosozialen Aspekte von Pflegenden, ging auf Emotionen und Belastungen ein.

Beide Referenten beantworteten  zusammen mit Simone Bogosch und Lieselotte Skade vom Pflegestützpunkt Neustadt /Verbandsgemeinde Maikammer an den Infotischen umfassend individuelle Fragen. Moderiert wurde der Abend von Matthias Aperdannier, Gemeindereferent der Pfarrei Edenkoben. Einen spirituellen Beitrag über die Bedeutung des Einbindens "gebrochener" Menschen in die Gesellschaft gab es von Pfarrer Peter Nirmeier, Caritasbeauftragter der Pfarrei Maikammer.

"Pflegestützpunkte beraten zu allen Fragen rund um die Pflege", informierte Wilhelm. Dabei gilt ambulant vor stationär, denn die meisten Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause zu leben. Aber plötzliche oder sich anbahnende Pflegebedürftigkeit überfordere oft die Beteiligten, so die Fachkraft. Die Pflegestützpunkte, von denen es 135 in Rheinland-Pfalz gibt, seien daher wichtige Anlaufstellen. Die Fachkräfte machen sich ein Bild über den Hilfe- und Unterstützungsbedarf und die Wohnsituation der Betroffenen und erarbeiten auf Wunsch gemeinsam mit den Ratsuchenden einen individuellen Versorgungsplan.

Das neue Pflegestärkungsgesetz PSG II verbessert aber nicht nur die Pflege zu Hause, es hat den gesamten Pflegebedürftigkeitsbegriff neu definiert wie auch die Begutachtung. Leistungen wurden ausgebaut und sind nun besser miteinander kombinierbar. Wilhelm umriss das seit Januar bestehende Gesetz, nach dem die Pflegebedürftigkeit mit fünf Pflegegraden, statt wie bisher in drei Pflegestufen definiert wird und ging auf die Neuerungen ein. Entscheidend ist laut dem neuen Gesetz nun "die verbliebene Selbstständigkeit eines Menschen". Sie bestimmt das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit. Und das spiegelt den tatsächlichen Hilfebedarf, auch von geistig und psychisch erkrankten Menschen, deutlich besser wider, ist die Meinung der Fachleute.

Der Begriff sei umfassender und genauer, sagte Wilhelm, "und es gibt keine Minutenzählerei mehr". Der Maßstab für Pflegebedürftigkeit umfasst sechs Lebensbereiche: Mobilität, geistige und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen sowie das Gestalten des Alltagslebens und soziale Kontakte. Die Referentin gab einen Überblick über die Leistungen der Pflegeversicherung, wie Geld- und Sachleistungen bei häuslicher Pflege, teil- und vollstationäre Pflege, Verhinderungs-, Kurzzeitpflege, Pflegehilfsmittel und mehr, wie die Übergangspflege für Menschen ohne Pflegegrad und mehr. Auch noch bestehende Lücken wurden benannt und diskutiert.

Caritas-Mitarbeiter Frank Kotterer legte den Fokus auf die "emotionale Befindlichkeit" von Angehörigen und Bekannten. Er verdeutlichte, was auf die Pflegenden zukommt -  vor Beginn und dann in der Pflegesituation. Er riet, nichts aufzuschieben, "denn die Dynamik zu Hause könne sich rasch verändern", besonders wenn der zu pflegende Angehörige an Demenz erkrankt ist. Die ganze Familie müsse eine Lösung finden, keiner dürfe sich entziehen, betonte Kotterer.

Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sei ein Thema. Auf die pflegenden Angehörigen kommen Belastungen und finanzielle Sorgen zu, sie würden unter dem mangelnden Freiraum leiden. Wer einen Familienangehörigen pflegt, stehe oft im Konflikt. Themen seien der Umgang mit dem möglichen schlechten Gewissen, etwa bei ambivalenten Gefühlen gegenüber dem zu Pflegenden, Frustration, mangelnde Abgrenzung, Versagensängste, schilderte Kotterer.

Um so wichtiger sei es, sich rechtzeitig Hilfe zu holen, Fachinformationen einzuholen, sich auszutauschen und Hilfesysteme wie Beratungsstellen aufzusuchen, riet Kotterer. Denn Pflege sei eine "multikomplexe Situation" mit unterschiedlichen Rollenerwartungen, für die es "keine Patentlösungen" gibt, so der Referent für Gemeindecaritas. Man dürfe sich nicht überfordern, sondern müsse lernen, seine eigenen Ressourcen richtig einzuschätzen. Er sprach von einer nötigen "Anpassungsarbeit" zwischen der inneren und der äußeren Realität.

Es gebe kein 100-prozentiges Hilfsnetz, das alles aufnehme, verdeutlichte auch Leiter Bruno Kühn vom Caritas-Zentrum Landau in der anschließenden lebhaften Diskussion. Wichtige Leistungsträger seien Krankenkassen und Pflegekassen, wichtige Anlauf- und neutrale Beratungsstellen seien die Pflegestützpunkte. Weiter hob er Sozialstationen, Krankenpflegevereine sowie Gemeindeschwestern plus hervor und lobte Netzwerke und Initiativen.

Dass der Sozialhilfeträger allerdings vorrangig die Nachbarschaftshilfe auf den Plan rufen wolle, fanden die Caritas-Mitarbeiter bedenklich. Auch die Erwartung, dass sich die Kommunen immer stärker selbst zu kümmern hätten, lasse von diesen bald einen Aufschrei erwarten, mutmaßte Kühn.  An den Thementischen gab es viele Fragen an die Fachleute. Die Infobroschüren und Flyer stießen auf reges Interesse. Zuvor beurteilten die Teilnehmer in Umfragebögen die Veranstaltung, die im Oktober unter demselben Motto in Bad Bergzabern stattfindet. Der Abend sei "aufschlussreich, anregend und sehr klärend" gewesen, so die Besucher.

Bildinfo
Zeigten großes Interesse: Besucher kamen im Anschluss an die Vorträge noch mit Frank Kotterer, Referent für Gemeindecaritas im Caritas-Zentrum Landau (dritter von links) und Leiter Bruno Kühn vom Caritas-Zentrum Landau (rechts) ins Gespräch.

Text und Fotos: Caritasverband für die Diözese Speyer / Maria Hirsch




 

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