URL: www.caritas-zentrum-landau.de/aktuelles/presse/pflegende-angehoerige-geraten-in-konflikte-fuer-die-es-keine-patentloesungen-gibt-1d0f1cde-8ec2-4b52
Stand: 08.09.2016

Pressemitteilung

„Pflegende Angehörige geraten in Konflikte, für die es keine Patentlösungen gibt“

Gut besucht war am Dienstag im Caritas-Zentrum Landau die Infoveranstaltung über die Pflegereform und ihre Auswirkungen auf pflegende Familienangehörige. Birgit Herdel, Pflegeberaterin, Gerontologin und Fallmanagerin am Pflegestützpunkt Landau und Frank Kotterer vom Caritas-Zentrum referierten über die Neuerungen des Gesetzes und Hilfemöglichkeiten. Die Besucher waren sich einig: „Das hat viel gebracht.“

alte Dame im Gespräch mit Tochter

Pflegeberaterin Birgit Herdel eröffnete ihren Vortrag mit dem Hinweis auf die Funktion der Pflegestützpunkte, von denen es 135 in Rheinland-Pfalz gibt. Unter dem Motto „Beraten, Bewältigen, Begleiten“ gibt es dort Hilfe und Unterstützungsangebote bei Fragen rund um die Pflege. Der Schwerpunkt liegt auf „ambulant vor stationär“, denn die meisten Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause leben, auch wenn sie auf Pflege angewiesen sind. „Pflege braucht eine Handreichung“, so die Referentin, die Fallbeispiele aus der veränderten Situation und der „Lebenswelt Zuhause“ aufzeigte, bevor sie auf das neue Pflegestärkungsgesetz II (PSG) einging, das seit Jahresbeginn gilt. Sie streifte grundlegende Unterschiede, wie die fünf nun geltenden Pflegegrade statt der bisherigen drei Pflegestufen.

Um Pflegebedürftigkeit festzustellen werden sechs Lebensbereiche abgefragt. Das sind Bewegung und Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, psychische Verfassung und Verhalten, die Selbstversorgung (die mit 40 Prozent eine sehr hohe Gewichtung hat), der Umgang mit Krankheiten und Therapien sowie das Alltags-leben und die sozialen Kontakte. Wichtig zu wissen sei auch, dass niemand schlechter gestellt wird. „Menschen mit Demenz sowie geistigen und psychischen Beeinträchtigungen werden künftig besser berücksichtigt. Pflegende Angehörige sollten prüfen, ob sie Rentenansprüche haben“, so Herdel. Sie verwies auf Listen am Infotisch über die Sach- und Geldleistungen des PSG und hob hervor, dass man sich auf das Gespräch mit dem Gutachter „gut vorbereiten“ solle. Weiter zeigte sie konkrete Beispiele auf und machte deutlich: „Pflege verändert den Alltag stark. Rund zwölf Jahre beträgt die durchschnittliche Pflegedauer, die immer auch verwalterischen Aufwand und zusätzliche finanzielle Belastung bedeutet.“ Es sei also wichtig, sich mit dem Thema und seinen Auswirkungen im Alltag auseinanderzusetzen, Verständnis für die Krankheiten zu entwickeln und vor allem sich selbst nicht zu vergessen. „Es gibt viele Entlastungsangebote und Hilfen“, machte Herdel am Ende Mut.

Frank Kotterer, Referent für Gemeindecaritas im Caritas-Zentrum Landau, legte den Schwerpunkt auf die „Emotionen und Belastungen“ und erklärte, was auf Pflegende zukommt und was die Situation mit ihnen macht. „Man sollte das Thema nicht aufschieben oder abwiegeln, denn ad-hoc-Lösungen sind immer schlecht“, so Kotterer. „Klären Sie möglichst im Vorfeld, wie Sie mit dem bereits unsicher Auto fahrenden Elternteil umgehen wollen. Befassen Sie sich mit der Vereinbarkeit von Beruf und familiärer Pflegesituation und damit, wie Sie mit Belastungen, finanziellen Sorgen oder dem eigenen schlechten Gewissen umgehen.“ Zur schon bestehenden Pflege im häuslichen Umfeld nannte er Konfliktpunkte wie mangelnde eigene Freiräume, ambivalente Gefühle zum Pflegenden wie Frustration oder unterschwellige Aggression.  „Versagensängste und Überlastung, nicht abschalten oder Nein sagen können, mangelnde Unterstützung durch Geschwister und anderes mehr sind Themen, die eventuell dazu kommen. Wir haben stets eine multikomplexe Problemlage, für die es keine Patentlösungen gibt.“  Austausch unter Gleichgesinnten, das Einholen von Fachinformationen und das Nutzen von Hilfesystemen wie Beratungsstellen, Pflegediensten oder Nachbarschaftshilfen könne Unterstützung leisten.

Rege gefragt waren die Themen-Tische zu häuslicher Pflege, Besuchen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, Kurzzeitpflege und stationäre Aufnahme und zu Emotionen und Belastungen. Viel Raum nahm dabei die eigene Abgrenzung als pflegender Angehöriger ein sowie das Aneignen von Fachwissen und Kontaktadressen. Fazit einer Besucherin nach den zwei Stunden: „Das war sehr aufschlussreich, ich weiß nun genau, wo ich mich hinwenden kann“.   

 

Copyright: © caritas  2017