URL: www.caritas-zentrum-landau.de/aktuelles/presse/was-tun-wenn-pflege-benoetigt-wird-a47d653c-4f15-4d03-b558-78301e1ea8fb
Stand: 08.09.2016

Pressemitteilung

Was tun, wenn Pflege benötigt wird?

Infoabend Bad Bergzabern 3Standen Rede und Antwort: Leiter Bruno Kühn (links) und Dr. Frank Kotterer vom Caritas-Zentrum Landau.

Um Pflege, ein wichtiges Thema, "das jeden von uns bald betreffen kann", ging es beim Infoabend des Caritas-Zentrums Landau in Bad Bergzabern im Edith-Stein-Haus.Diakon Achim Weiland, Caritasbeauftragter der Pfarreiengemeinschaft Heilige Edith Stein begrüßte die rund 30 Besucher der Veranstaltung  unter dem Thema "Die Pflege von Angehörigen - Beraten, bewältigen, begleiten". Referenten aus dem Pflegebereich informierten darüber, wie sich das Zweite und das im Januar in Kraft getretene Dritte Pflegestärkungsgesetz auf den Alltag von pflegebedürftigen Menschen sowie ihren Angehörigen und von Pflegekräften auswirken. Zudem erfuhren die Zuhörer, welche Hilfsangebote es vor Ort gibt.

Monika Scheder, Pflegefachwirtin und als Mitglied im Pflegerat Rheinland-Pfalz an der Ausarbeitung einer Berufsordnung für Pflegekräfte beteiligt, berichtete von der Schwierigkeit, angesichts mangelnder Wertschätzung des Berufs in der Gesellschaft und der unzureichenden Bezahlung Menschen zu finden, die einen Pflegeberuf ausüben wollen. Die Referentin wies aber gleichzeitig darauf hin, dass nach der neuen Gesetzeslage mindestens 50 Prozent der Beschäftigten in einer Pflegeeinrichtung eine abgeschlossene Ausbildung haben müssen. Noch immer gelte allerdings die Regel "ambulant vor stationär". Allen von einem Pflegefall Betroffenen riet sie dringend, sich an einen Pflegestützpunkt - die Pflegestützpunkte sind aus den Beratungs- und Koordinierungsstellen (Beko) entstanden - zu wenden. "Hilfe ist immer möglich", sagte sie.

Infoabend Bad Bergzabern 2Referentin Monika Garrecht (zweite von links) stand Besuchern im Anschluss zur Verfügung, was gerne genutzt wurde.

Monika Garrecht, Einsatzleiterin der Ökumenischen Sozialstation Annweiler-Bad Bergzabern für den Bereich Hauswirtschaft und Betreuung,  stellte die beiden Arbeitsbereiche ihrer Einrichtung vor. Seit einem Jahr ist das neue Domizil der Sozialstation im Haus am Schloss in Bad Bergzabern. Hier sind die Bereiche häusliche Krankenpflege sowie die Beratung und die hauswirtschaftliche Betreuung untergebracht.

Die Krankenpflege liegt in den Händen von rund 60 Pflegefachkräften. Rund 30 Fach- und Hilfskräfte übernehmen die hauswirtschaftliche Betreuung.  Nach der im neuen Gesetz vorgenommenen Einteilung in fünf Pflegegrade hat bereits jeder Mensch mit geringen Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (Pflegegrad 1) Anspruch auf Betreuungs- und Entlastungsleistungen im Wert von 125 Euro hat, informiert Monika Garrecht. Dies werde auch häufig nachgefragt.

Im Pflegestützpunkt gebe die Sozialstation kostenlos Auskunft über Leistungsangebote aller pflegerischen Dienste in der Region und deren Kosten. "Sie werden bei uns immer gerne beraten", sagte Monika Garrecht. "Es ist unser Ziel, den Menschen zu helfen, so lange wie möglich in ihrem eigenen Zuhause bleiben zu können".

Das unterstrich auch Bruno Kühn, Leiter des Caritas-Zentrums Landau und stellvertretender Vorstand der Ökumenischen Sozialstation Annweiler-Bad Bergzabern. Die Caritas sei zuständig dafür, dass die Gemeinden über die massiven Änderungen im neuen Gesetz informiert würden, sagte er. Ebenso wichtig sei es, die Erfahrungen vor Ort in die Politik weiterzutragen. Sowohl Hilfesuchende als auch Hilfegebende müssten wissen, dass sie sich vor Ort auf ein tragfähiges Netz von Hilfseinrichtungen verlassen können. Im bei der Sozialstation angesiedelten Pflegestützpunkt gäbe es dazu umfassende Beratung. "Momentan kann sich kaum jemand aus eigener Tasche Pflege leisten. Deshalb will ich Sie ermutigen, sich über dieses Thema kundig zu machen. Denn wenn es eintritt, ist es meist zu spät".

Für Dr. Frank Kotterer, Referent für Gemeindecaritas im Caritas Zentrum Landau, war dies ebenfalls das Hauptanliegen. Vor dem Hintergrund der zentralen Frage "Was kommt auf mich zu?" beleuchtete der Gerontologe in seiner Präsentation vor allem die seelischen Belastungen durch einen Pflegefall im häuslichen Bereich. Diese Belastungen werden von den Betroffen ganz unterschiedlich erlebt. So gebe es dafür keine Patentlösung. Hier gelte es, mit Unterstützung der Hilfsangebote vor Ort die passende Antwort auf die jeweilige Situation herauszuarbeiten.

Kritisch begegnete Kotterer den eingangs von Stadtbürgermeister Dr. Fred Holger Ludwig, der ebenso wie Pfarrer Bernd Höckelsberger zu den Gästen des Abends gehörte, geäußerten Ansicht, dass allein im gelingenden Miteinander von Jung und Alt der Schlüssel zur Lösung der durch den demografischen Wandel bedingten Probleme liege. "Nur mit ehrenamtlich Tätigen ist das nicht zu lösen", betonte Kotterer. "Notwendig sind neue Konzepte".

Rege nutzten die Besucher anschließend die Möglichkeit, den Referenten Fragen zu stellen. "Ich fand das sehr interessant", sagte eine Besucherin, die wissen wollte, an wen sie sich im Pflegefall wenden könnte. Ein anderer Gast zeigte sich beeindruckt davon, dass auch die seelische Situation der Betroffenen angesprochen worden war. Nahezu ausnahmslos mit Ja war auf den an die Zuhörer verteilten Bewertungsbogen die Frage angekreuzt, ob die Vorträge für sie interessant gewesen seien. Den darauf häufig geäußerten Wünschen nach einem erneuten Informationsabend soll im kommenden Jahr entsprochen werden.

Informationen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen:
Ökumenische Sozialstation Annweiler-Bad Bergzabern
Haus am Schloss
Herzog-Wolfgang-Straße 5 
76887 Bad Bergzabern
Telefon 06343 989899-0
E-Mail info@sozialstation-suew.de, www.sozialstation-suew.de;
Freitagsnachmittags gibt es dort eine Betreuungsgruppe für ältere und verwirrte Menschen.

Ansprechpartner der Beratungs- und Koordinierungsstelle im Pflegestützpunkt Bad Bergzabern ist Joachim Vogel, Telefon 06343 6100851.

Beratung und Betreuung bieten auch die Tagesstätte für Senioren des Pfalzklinikums in Annweiler und Bad Bergzabern an: Infotelefon 06349 900-4510.


 

Copyright: © caritas  2018