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Stand: 08.09.2016

Pressemitteilung

„Die Stimme von Menschen, die keine Stimme haben“

Interkulturelle Woche 2018_Plakatmotiv

Die letzte Woche im September war der Interkulturellen Woche gewidmet, die an vielen verschiedenen Orten mit zahlreichen Kunst- und Kulturveranstaltungen stattfand. Aus diesem Anlass hatte der afghanische Filmemacher Mohammad Hassan Nazeri sein Projekt "Kultur kennt kein Heimweh" in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Gemeindehaus und den Caritas-Zentren in St. Leon-Rot, Speyer, Ludwigshafen und Kaiserslautern präsentiert. Es wurden vier kurze Dokumentarfilme gezeigt, die unterschiedliche Bereichen des menschlichen Lebens zeigen.

Die Auftaktveranstaltung war am 23. September im Katholischen Gemeindehaus der Stadt St. Leon-Roth. Trotz des starken Regens am Sonntagabend wurde die Veranstaltung von zahlreichen Filmenthusiasten besucht. Im Anschluss an jeden Film stellte sich der anwesende Regisseur den interessierten Fragen der Besucher und es entspann sich eine rege Diskussion.

Der erste, fünfminütige Dokumentarfilm zeigt die Auswirkungen politisch-sozialer Interaktionsmechanismen auf das Privatleben von Mohammad Hassan Nazeri. Der Film entstand im Rahmen des Bewerbungsverfahrens für eine Weiterbildung an der Hamburg Media School (HMS), die der Filmemacher durchlaufen hat. Die Einflüsse, die ihn geprägt haben, reflektieren seine Lebensbedingungen und sind in den Augen des Filmemachers ein unerbittliches Schlachtfeld.

Der zweite Film, "Afghanistan, Silent Scream I", zeigt die Situation der Frauen in Afghanistan heute. Der Film konzentriert sich auf die Verwurzelung ideologischer, politischer und sozialer Faktoren, die Frauen als Geschlecht zweiter Klasse öffentlich diskriminieren. Über seine Motivation, Filme über Frauen und Kinder in seinem Land zu drehen, sagte Nazeri: "In allen menschlichen Krisen liegt der schlimmste und schwerste Schaden bei den Kinder und Frauen. Geringere körperliche Widerstandskräfte, fehlender Zugang zu Abwehrmechanismen wie Bildung, Wirtschaft und Politik, die patriarchalische Herrschaft und die lange eingeübte Macht der Gewohnheit gehören zu den schädlichen Faktoren.

Der dritte Film - "Afghanistan, Silent Scream II" - beschreibt die Situation im afghanischen Bildungswesen und ihre Auswirkungen auf die Kinder - die problematische Art der Betreuung, ihre Lebensbedingungen und der Lebensunterhalt von Familien mit Kindern. Soziale Armut, offensichtliche Finanzkorruption und übermäßige Vorurteile im Regierungssystem waren und sind die Hauptquelle für die mangelhafte Bildung der Kinder in Afghanistan - die Ursache für ihren stummen Schrei, will der Filmemacher deutlich machen. Der Film deckt aktuelle Fälle auf, in denen die afghanische Regierung zugesicherte Bildungsleistungen so erbringt, dass sie Kindern nicht nur nichts nutzen, sondern ihnen sogar schweren Schaden zufügen.

Der vierte Film aus der Sammlung "Kultur kennt kein Heimweh" ist ein Porträt des Rappers Hossein Amini. Hossein Amini ist ein Migrant, der aus Furcht vor dem real existierenden Terror in seinem Heimatland nach Deutschland geflüchtet ist. Das bewegende Porträt versucht, die bescheidene und reale Figur dieses Einwanderers darzustellen.

"Kultur kennt kein Heimweh" setzte sich an den folgenden Abenden in den Städten Speyer, Ludwigshafen und Kaiserslautern fort. Die Bildung der Beziehung zwischen den Zuschauer in allen Städten zeigte, dass Kultur wirklich kein Heimweh kennt.

Der Filmemacher Nazeri hat sich in mehr als einem Vierteljahrhundert Filmschaffen auf besondere Merkmale von Kultur, Kunst, Gesellschaft und Politik konzentriert. Eines seiner bekanntesten Werke ist "Lala Hindu", ein 60-minütiger Dokumentarfilm, der die hinduistische Minderheit in Afghanistan aus verschiedenen Blickwinkeln porträtiert.

Mohammad Hassan Nazeri ist BFD-Mitarbeiter des Caritas-Zentrums Landau. "Es ist eine große Ehre, die Stimme der Menschen zu sein, die keine Stimme haben", sagt er. Er möchte in seinen Filmen zeigen, dass Migration ein Schmerz ist, "für den wir nach der richtigen Behandlung suchen müssen, anstatt den Schmerzensschrei zu ersticken".

Nazeri betont, dass er selbst sich als Angehöriger einer neuen Nationalität versteht: Er sei nun Migrant, Teil einer Volksgruppe, die rund 70 Millionen Menschen auf der ganzen Welt umfasst.

Zum Abschluss bedankt Hassan Nazeri sich für die vielfältige Unterstützung durch die Organisatoren bei der Realisierung seines Projekts. Es macht ihn glücklich, dass das Caritas-Zentrum Landau immer wieder offen ist für solche Projekte und ihn dabei begleitet.

Text und Fotos: Caritas-Zentrum Landau/ Caritasverband Speyer

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