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Stand: 08.09.2016

Pressemitteilung

Frauen helfen Frauen in der Obdachlosigkeit

Spendenübergabe der Soroptimisten ans Caritas-Zentrum Landau: (von links) Präsidentin Antonia Böhl und Mitglied Kerstin Jordan von den Soroptimisten sowie Leiterin Elisabeth Traunmüller und Streetworker Michael Jessl vom Caritas-Zentrum Landau. Die Spende der Soroptimisten, vertreten durch (von links) Präsidentin Antonia Böhl und Kerstin Jordan nahmen für das Caritas-Zentrum Landau Leiterin Elisabeth Traunmüller und Streetworker Michael Jessl vom Caritas-Zentrum Landau entgegen. Caritas-Zentrum Landau

Laut Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Obdachlosenhilfe leben rund 100.000
Frauen auf der Straße. "Diese besonders verletzliche Zielgruppe haben wir anlässlich
unserer Veranstaltung zum Internationalen Frauentag in den Blick genommen", erklärt
Antonia Böhl, Präsidentin der Soroptimistinnen. Der zu diesem Anlass gezeigte Film
beschäftigte sich mit obdachlosen Frauen in Frankreich und löste eine große Spendenbereitschaft bei den Kinobesuchern aus. "Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit von SI ist es, Frauen in Notsituationen zu helfen. Mit dem gespendeten Geld können wir nun Frauen in Landau, die sich in ähnlicher Situation befinden wie die Protagonistinnen des Films und von Caritas betreut werden, unterstützen", erklärt die Präsidentin.  

In der städtischen Obdachlosenunterkunft in Landau leben regelmäßig fünf bis acht Frauen, die meisten sind über 50 Jahre alt. Um dem Hilfebedarf dieser Frauen in einer Wohnungsnotfallsituation gerecht zu werden, bedarf es spezifischer Maßnahmen und Angebote - das stellt die Caritas-Sozialarbeit vor besondere Herausforderungen. Zum einen gleicht "Weiblich und wohnungslos" oft einer doppelten Stigmatisierung, denn Frauen erhalten, stärker noch als Männer, negative Zuschreibungen.

Zudem wird Wohnungslosigkeit häufiger als persönliches Versagen und daher als enorme psychische Belastung erlebt.  Einer Unterbringung in einer Obdachlosenunterkunft gehen zumeist von Gewalt geprägte Lebensumstände vorweg. Der Zusammenhang von Gewalt, weitreichenden gesundheitlichen Risiken und Wohnungslosigkeit lässt sich eindeutig nachweisen.

Von Gewalt geprägte Lebensumstände führen bei Frauen nicht nur häufig zu Armut und Wohnungslosigkeit, sondern machen sie auch körperlich und seelisch krank. Gewalt gegen Frauen hat daher beachtliche gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen. Neben einer Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls sind weitreichende Folgen zu beobachten: posttraumatisches Belastungssyndrom, Stress bedingte Erkrankungen, Depressionen, Schlaf- und Essstörungen.

Gerade Frauen auf der Straße oder in prekären Wohnsituationen sind jedoch gezwungen, nicht auf ihren Körper zu hören und Schmerzen oder Warnsignale ihres Körpers sowie der Psyche zu missachten, um zu überleben. Sie gehen immer wieder psychisch und physisch über ihre Grenzen, sei es durch den Gebrauch von Suchtmitteln, das Erleiden und Aushalten von Gewalt, das Ignorieren von Schmerzen oder sogar durch das selbstständige Zufügen von Schmerzen, um die schwierigen Lebenssituationen aushalten zu können.

Einen eingeschränkten Zugang zur medizinischen Versorgung haben insbesondere Frauen, die in Obdachlosenunterkünften oder auf der Straße leben, und zwar stärker als Frauen, die in anderen Formen von Wohnungsnot leben müssen. Zusätzlich erschwerend sind die immer höheren Eigenbeteiligungen bzw. Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenversicherung, die von armen und/oder wohnungslosen Frauen nicht geleistet werden können. So begegnen Mitarbeiterinnen der Wohnungslosenhilfe immer mehr Frauen mit geflickten Brillen, erbärmlichem Zahnstatus und unversorgten Krankheiten.

Trotz der ähnlichen Problemstellungen der betroffenen Frauen soll mit der großzügigen Spende der Soroptimistinnen ganz individuell Hilfe geleistet werden. "Jede Frau bekommt individuelle Unterstützung, wir teilen keine Einheitspakete aus. Von guter Sozialarbeit ist zu erwarten, dass jeder Mensch in seiner Besonderheit wahrgenommen wird", betont Elisabeth Traunmüller, Leiterin des Caritas-Zentrums Landau.

Bedarf zeige sich individuell zum Beispiel im Bereich der Zahn- und Mundhygiene, sagt Michael Jessl, zuständig für die sozialpädagogische Betreuung der betreffenden Gruppe. Schlecht Zahnhygiene führe in einigen Fällen zum Verlust der Zähne und damit zu einer eingeschränkten und zumeist Mangelernährung. Weitere Bedarfe zeigten sich in der medizinischen Fußpflege, der Frauenhygiene, Hauptpflegeprodukten und Erste-Hilfe-Sets. Aber auch "Wohlfühlprodukte" dürften nicht fehlen wie Shampoo, Wärmflaschen, Deo, Seife oder auch ein Gutschein für den Friseur oder die Drogerie, um sich individuelle Wünsche zu erfüllen seien ebenfalls angedacht.
 

Ansprechpartnerin:
Elisabeth Traunmüller, Leitung
Caritas-Zentrum Landau
Königsstraße 39/41
76829 Landau
elisabeth.traunmueller@caritas-speyer.de
06341/9355110

Bild und Foto : Caritasverband für die Diözese Speyer

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