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Stand: 08.09.2016

Pressemitteilung

Rosen, Brot und heiße Suppe

Caritas-Zentrum Landau mit geschmückten FensternMit Rosenmotiven waren die Fenster des Caritas-Zentrums Landau anlässlich des Gedenktags der Heiligen Elisabeth geschmückt. Caritas-Zentrum Landau

Wie schon im vergangenen Jahr wurde das Gebäude des Caritas-Zentrums zum Martinstag wieder zu einer überdimensionalen Laterne gestaltet. Waren es beim ersten Mal Motive zur St. Martinslegende, die die knapp 30 Fenster des Hauses im Stadtzentrum an der Fußgängerzone schmückten, sind es in diesem Jahr Rosenmotive. "Die Rose steht für die Heilige Elisabeth, die Patronin der Caritas - das Rosenwunder ist ja eine der Geschichten, die sich um ihren unablässigen Einsatz für die Armen und Kranken ranken", erklärt Einrichtungsleiterin Elisabeth Traunmüller. Eine wundersame Verwandlung von Brot in Rosen schützte - wie die Geschichte erzählt - die ungarische Königstochter und Gattin des Landgrafen Ludwig von Thüringen vor Ungemach, als sie bei einem ihr eigentlich untersagten Gang zur Brotverteilung an Bedürftige ertappt wurde. Auf sie und ihren Gedenktag - am 19. November 1231 wurde Elisabeth in Marburg beigesetzt - weist der Fensterschmuck hin. 

Das Caritas-Zentrum Landau hatte von der Landauer Bäckerei Julier Elisabethenbrot backen lassen.Das Caritas-Zentrum Landau hatte von der Landauer Bäckerei Julier Elisabethenbrot backen lassen.Caritas-Zentrum Landau

Der Elisabethentag im Jubiläumsjahr des Caritasverbandes sollte, so war es ursprünglich verbandsweit geplant, Termin eines großen Festessens für Kund*innen der Einrichtungen und Dienste sein. Unter Corona-Bedingungen kann der gesellige Schmaus aber nicht stattfinden. Deshalb gibt es für diejenigen, die seit 11. und noch bis 19. November Rat und Hilfe im Caritas-Zentrum Landau suchen, Elisabethenbrote als Geschenk. "Die Bäckerei Julier backt uns täglich frisch 300-Gramm-Leibe, die wir in der Aktionszeit verschenken", sagt Elisabeth Traunmüller. "Insgesamt verschenken wir rund 150 Brote" 

Zu einer heißen Mahlzeit eingeladen wurden zumindest doch die Bewohner*innen der Notunterkunft am Prießnitzweg, für deren Unterstützung seit knapp einem Jahr ein vom Caritas-Zentrum gestellter Streetworker im Auftrag der Stadt im Einsatz ist. "Wir sind am 11. November mit der ,Gulaschkanone‘ vor Ort gewesen, und rund ein Dutzend Bewohnerinnen und Bewohnern haben es sich schmecken lassen", berichtet die Leiterin des Caritas-Zentrums und betont: "Wir haben streng auf Hygiene und Abstände geachtet". Zusätzlich wurden von Ehrenamtlichen gestrickte Wollmützen, Schals und Socken verschenkt, für die Frauen gab es auch C&A-Einkaufsgutscheine. Das Gulasch wurde vom Landauer Unternehmen "Suppe mag Brot" geliefert. "Beide Lieferanten für unsere Aktionen haben uns einen sehr guten Preis gemacht", fügt Traunmüller dankbar an. 

Caritas-Zentrum Landau lädt zum Essen in der Notunterkunft ein.Zum Eintopf hatte das Caritas-Zentrum Landau in der Notunterkunft eingeladen. Caritas-Zentrum Landau

Die Gulasch-Aktion schlug auch einen Erinnerungsbogen zu den Anfängen der Arbeit des Caritas-Zentrums: Vor genau 75 Jahren, am 11. November 1945, erfolgte die Einrichtung des Caritas-Sekretariats in Landau, aus dem das heutige Caritas-Zentrum erwachsen ist, wie Elisabeth Traunmüller erläutert: "Die Einrichtung einer Suppenküche war eine der ersten Hilfsmaßnahmen für die Notleidenden direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs".

 Hintergrund: Die Jubiläen

Die durch Kriege verursachte große Not war der Hintergrund, vor dem 1920 - nach dem Ende des Ersten Weltkriegs - der Caritasverband für die Diözese Speyer und 1945 - nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs - das Caritas-Sekretariat in Landau gegründet wurden.

Die Auswirkungen der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert riefen Sozialbewegungen auf den Plan, die sich der Benachteiligten annahmen. Eine Reihe katholischer Sozialorden etablierte sich, und gegen Ende des Jahrhunderts verstärkten sich Bestrebungen, die verschiedenen Hilfsangebote unter dem Dach der Kirche gegen eine drohende Zersplitterung zu bündeln.

1897 wurde auf Initiative von Lorenz Werthmann, aus Geisenheim im Rheingau stammender Priester und Sekretär des Freiburger Erzbischofs, in Köln der Caritasverband für das katholische Deutschland gegründet. Infolge der immensen Not, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte, entstanden viele Diözesan-Caritasverbände. Am 28. Dezember 1920 wurde der für das Bistum Speyer gegründet, als dessen Zweck das Gründungsprotokoll "die Sammlung aller auf dem Gebiete der Caritas tätigen Kräfte und die gemeinsame Förderung aller karitativer Bestrebungen im Bistum Speyer" festhält.

Im Laufe des Jahrhunderts seit Gründung des Caritasverbands für die Diözese Speyer haben sich die Aufgaben immer wieder verändert und die Arbeit der ihm angeschlossenen Einrichtungen wurde entsprechend modifiziert. Heute ist der Speyerer Caritasverband Träger von rund 35 sozialen Einrichtungen und acht regionalen Zentren. Mehr als 3400 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in ihnen beschäftigt.

Eines der acht Caritas-Zentren hat seinen Sitz in Landau. Es hat seine Wurzeln in der Gründung des Caritas-Sekretariats am 11. November 1945, nachdem, wie die heutige Leiterin Elisabeth Traunmüller berichtet, ein Brief des Diözesan-Caritasverbandes vom 15. Juni 1945 an die katholischen Pfarrämter dazu aufgefordert hatte, sich um die "Einrichtung einer Suppenküche, die Erfassung der heimbedürftigen alten Leute, Milchbeschaffung für Säuglinge und Kleinkinder, Baumaterial für geschädigte Wohnungen" zu kümmern.

Das dann am 11. November gegründete Caritas-Sekretariat wurde von Anna Friedrich geleitet, einer Fürsorgerin aus Kaiserslautern. Erste Angebote waren die geforderte Suppenküche, Kindererholung und Jugendfürsorge. Der Sitz des Sekretariats war in der Glacisstraße 2. Das Gebäude gehörte dem "Institut der Englischen Fräulein", der heutigen Maria-Ward-Schule.

Seither gab es verschiedene Orts- und Namenswechsel. Zum "Caritas-Zentrum Landau" wurde die Einrichtung im September 2002 mit dem Einzug in die Räume in der Neustadter Straße 12 unter dem Leiter Bruno Kühn, den Elisabeth Traunmüller 2018 ablöste. Die heutigen Räume an der Kreuzung von Königstraße und Gerberstraße wurden zum Jahresbeginn 2012 bezogen.

Stichwort: Heilige Elisabeth - Patronin der Caritas

Als Landgräfin von Thüringen hat Elisabeth (1207 bis 1231) das Kloster in Eisenach unterstützt, Armenviertel besucht und sich um Bedürftige gekümmert. In Verbindung mit ihren Wohltaten, die sie gegen den Willen ihrer Familie durchsetzte, sollen sich wundersame Ereignisse zugetragen haben, wie das bekannte Rosenwunder. Darin heißt es, dass Elisabeth eines Tages auf dem Weg in die Stadt war, um den Armen Brot zu geben, obwohl es ihr bei Strafe verboten war. Dabei trifft sie die Mutter ihres Mannes, die ihre Barmherzigkeit nicht gut findet und ihr eine Falle stellen will. Auf die Frage, was sie in dem Korb habe, antwortet Elisabeth, es seien Rosen im Korb. Ihre Schwiegermutter bittet sie, das Tuch zu heben, was Elisabeth tut, und die Schwiegermutter erblickt tatsächlich nur Rosen.

Bereits vier Jahre nach ihrem Tod, 1235, wurde sie heiliggesprochen. Seit dem frühen 19. Jahrhundert erlebt ihre Verehrung neuen Aufschwung, besonders das Rosenwunder findet weithin Beachtung. Früher wurden nach altem Brauch an ihrem Gedenktag, dem 19. November milde Gaben und Geschenke an Bedürftige verteilt. Mancherorts werden auch traditionelle "Elisabethbrote" in Erinnerung an das Rosenwunder der heiligen Elisabeth gebacken und Brot und Rosen verschenkt.

Text: Caritasverband für die Diözese Speyer / Henning Wiechers

Fotos: Elisabeth Traunmüller/Caritas-Zentrum Landau

 

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